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Language:
Deutsch
Stats:
Published:
2025-08-28
Words:
2,012
Chapters:
1/1
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1
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8
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Hits:
58

Albträume

Work Text:

Dunkle Schatten rennen durch das Lager. Ihre Bewegungen sind rückartig, aggressiv. Drakoner. Ihre Körper heben sich aus der helleren Nacht ab. Ihre Figuren sind unscharf. Ihre Hände unförmig. Klobig. Nein, das sind nicht nur ihre Hände. Das sind Hände in denen Waffen liegen. Ein Schrei hallt durch die Dunkelheit. Die Drakoner folgen ihm.
Hin und her. Her und hin eilen sie. Rufen ertönt. Es sind verschiedene Stimmen.
Sammy, Tess und Ben.
Alea.

Lennox Herz pocht schmerzhaft in seiner Brust. Ein stetiger Rhythmus, der viel zu laut in seinen Ohren hallt. Die anderen sollten nicht hier sein. Sie dürfen nicht in Orions Lager sein. Er hat ihre Erinnerungen löschen müssen. Sie müssen wenigstens vor Orion in Sicherheit sein.

Er erhebt sich. Er muss ihnen helfen. Er läuft los.
Schmerz schießt durch seinen Fuß. Lennox will seinen Fuß auf eine Verletzung untersuchen . Verwirrt zieht er die Augenbrauen zusammen. Bis zu seinen Knieen ist der Boden jetzt in dichten weißen Nebel gehüllt. Er hebt seinen Fuß an. Auf einem Bein stehend erstarrt er. Sein Fuß ist geschwollen. Blut läuft in einem dünnen Rinnsal von seinen Zehen.
Vor dem Rot besagten Blutes hebt sich der schwarze Skorpion noch stärker ab. Es ist ein handgroßes Tier, schwarz mit großen Scheren und glänzendem Schwanz. Lennox kann die Rillen in seinem Panzer erkennen. Aber er hat keine Ahnung, woher der Skorpion kommt.

" Er ist gekommen um deinen Auftrag zu vollenden, Lennox"

Eine Stimme dröhnt durch den Nebel. Es dauert bis Lennox erkennt, wo sie herkommt. Panik und Adrenalin schießen zusätzlich durch seinen Körper. Der Skorpion auf seinem Fuß bewegt sich. Zusätzlich ist da ein Klicken und Scharben am Boden. Ein schreckliches Geräusch. Laut und aus vielen Einzelklängen vollkommen unharmonisch zusammengesetzt. Schweiß läuft Lennox Schläfe hinunter. Seine Brust zieht sich zusammen.
Der Nebel lichtet sich. Sein Atem stockt. Seine Augen sind geweitet und bewegen sich hektisch hin und her. Die weiße Masse an Lennox Beinen ist inzwischen nur noch schwacher Dunst. Schwarze gliedrige, glänzende Körper bewegen sich durch diesen Dunst. Verursachen das Scharben. Verursachen das Klicken.

Ein weiterer der Skorpione berührt Lennox zweites Bein. Sein Stachel kratzt sanft über die Haut am Knöchel. Wie hypnotisiert sieht Lennox zu wie die Haut sich beim Schnitt auseinander zieht und dünnes Blut hervortritt.
Im nächsten Moment ist der Bann gebrochen. Er springt zurück und kommt auch mit dem anderen Fuß wieder auf.
Es macht nichts besser. Nur mehr der schwarzen Körper bewegen sich zu Lennox Beinen.

Ein Lachen reißt ihn aus seiner Angst. Er erstarrt. Der Nebel um ihn herum ist genauso verblasst wie der zu seinen Füßen.
Eine Gestalt steht in einger Entfernung. Sie tritt näher. Dunkle Haut, Dreadlocks mit bunten Bändern.
"Tess?"
" Mon dieu", spottet sie. Der Klang ihrer Stimme ist dabei fremd und verzerrt. Hämisch und kalt.
" Und du wolltest Alea allen Ernstes beschützen. Wo du dich nicht mal selbst schützen kannst?"

Im selben Moment gerät Lennox ins Stolpern. Die Skorpione winden sich bis um seine Knie. Er versucht ihnen auszuweichen. Dann schwindet sein Gleichgewicht. Er fällt und schlägt hart auf dem Boden auf. Sofort krabbeln Skorpione über seine Arme, seine Brust. Ihre Beine piksen in Haut.
Die Gestalt beugt sich wieder um Lennox. Dieses Mal ist es nicht Tess.
Sammys Hand gleitet über einen der Skorpione. Der Junge nimmt einen anderen auf seine Hand. Streichelt ihn sanft. Seine roten Haare stehen ab. Seine Augen haben das übliche Funkeln. Er grinst unbeschwert.
"Mach dir keinen Kopf, Scorpio. Diese Skorpione können uns anders als du wirklich schützen. Wir suchen uns ein neues Abenteuer mit denen. Eins, was du uns nicht vermiesen kannst. Nicht wie die Meerwelt."
Er grinst frech.

"Sammy! Lass gut sein. Wir müssen los.Tut mir leid, Lennox. Ich hatte wirklich gehofft, wir könnten Freunde sein. Aber nicht mit dem, was du uns genommen hast. Du bist auf der Crucis nicht mehr willkommen", flüstert Ben.
Er steht auf einmal neben seinem Bruder. Dann greift er nach Sammys Arm und zieht ihn weg. Lennox will schreien. Aber er sieht den gebrochenen Blick in Bens braunen Augen. Das Bedauern und die Sorge um seine Familie.

Lennox hat Angst. Er will nicht alleine sein. Aber er nickt Ben zu. Seinem Captain. Seinem besten Freund. Eine Person, von der er dachte, er würde sie nie im Stich lassen.
Dann lehnt er sich zurück und blickt in Aleas Gesicht.
Sie kniet hinter ihm. Ihre Beine berühren schwach seine Schultern. Eine ihrer Hände ruht auf Lennox Wange. Ihr langes dunkles Haar fällt um ihr Gesicht. Die Spitzen kitzeln Lennox Nacken. Sie ist wunderschön. Sie sieht aus wie eine Göttin. Schön und mächtig. Einfach unglaublich.

Aber ihre wunderschönen grünen Augen sind nun grau. Der Hand an seiner Wange fehlen die Knubbel. Sie ist kein Meermädchen mehr. Sie ist ein Landgänger.
Tränen rinnen über ihre Wangen. Ihr Gesicht verzieht sich zu einem stillen Schluchzen.
"Lennox...", haucht sie.
"Lennox..."

 

Alea. Es wird alles gut. Wir schaffen das.
Er glaubt nicht daran. Aber er will sie unbedingt trösten. Ihr neuen Mut zum weitermachen geben.
Es kommt nur ein hilfloses Krächzen aus seiner Kehle.
Alea lässt sein Gesicht los. Sie steht auf und geht.
Kein Wort des Abschieds.
Sie ist weg.
Der Druck auf seiner Brust nimmt zu. Sein Hals ist zu geschnürt.
Fühlt es sich so an, wenn einem das Herz zerbricht?

Seine Sicht wird dunkel

"Das hast du dir selbst zuzuschreiben. Du hast es vermasselt. Wie du es immer tust, dummer Junge",
Spricht eine Stimme. Sie klingt wie die seines Vaters. Eine Erinnerung, welche er versucht wegzusperren. Eine Erinnerung, die er vergessen wollte.
"Du stehst mir schon wieder nutzlos im Weg, Kind."
Die Worte hallen in seinen Ohren nach. Hallen in der Dunkelheit.
Er reißt die Augen auf. Schnappt nach Luft.

Die Skorpione sind weg. Alles ist hell. Steriles Weiß umgibt ihn. Bewegen kann er sich immer noch nicht. Er ist an einen Stuhl vergeschnallt.

"Ah, wie ich sehe bist du aufgewacht, mein lieber Lennox"
"Orion!", zischt er den Wissenschaftler an. Der Mann steht auf einmal genau vor ihm.
"Genau. Wie geht es dir mein Junge?"
Über die Glaser seiner Brille hinweg, beobachtet er Lennox. Seine Augen sind so durchdringend und kalt. Als könne er bis auf Lennox Knochen sehen.

Ein Monitor an der Seite piept laut und unregelmäßig. Eine rote Linie verläuft zackig darüber. Der Rhythmus Lennox Herzens.
Laut und hart und schnell.
In etwa erkennt Lennox es wieder. Den Druck, die Art wie sein Herz rast und sich anfühlt als würde es aus seiner Brust springen. Vor Angst. Vor Wut. Vor Verzweiflung. Vor Trauer. Vor Scham.

Nur den Schmerz kann die Technik nicht abbilden. Den Schmerz versagt zu haben. Den Schmerz Alea verletzt zu haben. Den Schmerz wieder alleine zu sein.

Lennox Herz Rast und sein Augen brennen. Trotzdem hebt er den Blick, presst den Mund zusammen und blickt in Orions Fratze.
Er wird nicht kampflos untergehen.
Er mag versagt haben Alea zu beschützen. Die Alpha Cru zu beschützen.
Lennox wird nicht scheitern, die Meere zu retten.

Orions Lippen umspielt ein süffisantes Lächeln.
Sein Blick ist vollkommen fokussiert.
Ein Schmerz breitet sich in Lennox Arm aus. Ein Stechen.
Ein weiterer von Orions Tests.
Sein Inneres zieht sich schmerzhaft zusammen. Entschlossenheit setzt sich über alles andere hinweg.
Er wird den alten Mann nicht mit seinen Plänen durch kommen lassen. Er wird ihn aufhalten. Die Meerwesen werden überleben. Das Meer wird überleben.
Der Kampf ist noch nicht verloren!

Knorrige Finger umfassen sacht Lennox Kiefer. Orions triumphierender Blick trifft auf Lennox vor Entschlossenheit brennende Augen.
Die Lippen des Doktors landen auf Lennox eigenen.
Kühl und rau.
Orions Kuss ist lang, fest und klinisch.

 

Ein vollkommender Gegensatz zu den warmen, sanften und gefühlvollen Küssen.
Es steckt keine richtige Emotion dahinter.
Der Kuss ist für Orion kein Ausdruck von Zuneigung. Er ist ein Mittel zum Zweck.
Und trotzdem erinnert er Lennox an alle Küsse, die er mit Alea hatte. Wie diese nun unmöglich scheinen.

Keiner von Lennox Muskeln rührt sich. Er will weg von Orion.
Flüchten, um sich schlagen, das Labor abbrennen.
Alles bevor das Serum aktiviert wird.
Alles bevor Lennox Orion und nicht mehr sich selber gehört.
Sein Körper dem Doktor gehorcht, während sein Herz sich nach Alea sehnt und sein Kopf trotz allem Auswege sucht.

Aber Orions Lippen lösen sich bereits von Lennox Mund.
Zu rasch als dass er eine Lösung hat finden können.
So rasch, dass er nicht mal Ekel über die Geste verspüren kann.

Ein Rauschen breitet sich in Lennox Ohren aus. Statisch.
"Du hast versagt, mein lieber Lennox. Du gehörst nun mir."
Vernimmt er noch Orions glückliche Worte.
Das Rauschen wird lauter.
Irgendwann hört sich weniger statisch an, sondern wie das Meer. Das Licht wird wärmer, natürlicher.

Lennox wacht auf.

Das Meer rauscht. Sonnenstrahlen fallen durch ein Bullauge.
Warm und tröstlixh berühren sie Lennox Gesicht. Sreichen wie sanfte Finger über seine Stirn und durch sein Haar.
Flatternd öffnen sich seine Lider.
Vor ihm erstreckt sich im all ihrer heimligen Weite die Küche der Crucis. Die Sonne fällt durch eins der Bullaugen.
Seine Finger streichen über weichen Stoff.
Lennox liegt auf seinem Schlafsofa.
Unwirklich fühlt es sich an.

Er versucht sich aufzusetzen. Sein Körper fühlt sich schwer an. Seine Lider sind etwas verklebt. Eine Jucken läuft über seine Wangen.
Der Traum ruht in seinen Gedanken, bleibt im Bewusstsein bestehen.
Lennox ist auf der Crucis. Trotzdem ziehen sich seine Eingeweide zusammen und das Atmen fällt ihm schwer.

"Lennox ", flüstert eine sanfte Stimme.
"Alea", krächzt er.
"Hallo". Lennox kann das Lächeln in ihrer Stimme hören.
Die Finger in seinem Haar, er hatte sie fälschlicherweise für Sonnenstrahlen gehalten, legen sich um Lennox Wange.
Er dreht sich und legt seine Hand auf ihre. Aleas Haut ist weich unter seinen Fingern.
Ihr Gesicht ist wunderschön. Ihre Haut leuchtet im Licht.
Die schwarzen Haare stecken unter einer Mütze und fallen über ihre Schultern.
Ihre Augen, immer noch grau, sind trotzdem voller Entschlossenheit.
Nur ihre Lippen sind anders als erwartet nicht zu einem Lächeln verzogen.
Stattdessen sieht sie besorgt aus.

Was ist los?", fragt er leise, um die Stimmung, die sie umgibt nicht zu stören.
"Das wollte ich dich fragen", antwortet Alea.
Ihr Daumen streichelt Lennox Wange, seine Nase und unter seinem Auge.
Vorsichtig folgt sein Finger ihre Bewegungen.
Warme Feuchtigkeit benetzt sie. Tränen.
Der Traum muss sie ihm im Schlaf gebracht haben.

"Ein Albtraum", antwortet er der besten Freundin dieser Welt also. Weil er sich auf sie verlassen kann.
"Das tut mir leid. Möchtest du darüber reden? Worum ging es?"
"Orion."
"Ich verstehe. Ich glaub du kannst ne Umarmung gebrauchen", sagt Alea und zieht Lennox erst in eine
sitzende Position und dann in eine Umarmung.
Während sie getrennt waren, ist sie richtig stark geworden.

Sie halten einander fest. Seine Arme ruhen um ihre Taille, ihre um seine Schultern. Eine Hand streichelt Lennox Nacken, die andere reint seinen Rücken. Sein Gesicht ist an ihren Hals gedrückt und als er spricht muss sie die Vibrationen spüren können.

"Ich hab geträumt, ich wär wieder im Lager. Die Drakoner würden euch verfolgen. Ihr würdet mich verlassen, weil ich versagt habe. Ich hab meinen Vater gehört. Da waren Skorpione. So viele, dass ich untergegangen bin. Dann war ich bei Orion. Und... er hat bekommen was er wollte. Einen Oblivion.

Hab ich je gesagt, wie froh ich bin, wieder bei euch zu sein? Wie glücklich es mich macht, dass ihr gekommen seid? Selbst wenn ihr euch erst nicht erinnert habt?
Ich hasse Orion. Ich hab es gehasst bei ihm zu sein."

"Ich konnte es sehen. Aber du bist wieder bei uns, Lennox. Das war ein Traum. Es war schlimm, aber es ist jetzt wieder besser. Du bist nicht allein. Du bist zuhause. Bei deiner Familie. Uns komische Vogel wirst du nicht los."

Wärme strömt durch Lennox Brust und löst den Knoten in seinen Eingeweiden etwas.
"Aber gerne", bestätigt er und fühlt sich etwas leichter.
"Danke Alea", antwortet Lennox also, "Ich weiss, dass ihr da seid", denn das tut er wirklich.
Er ist nicht allein. Nicht mit den komischen Vögeln der Alpha Cru.
Der Albtraum hat ihn erschreckt. Das war weder das erste und noch das letzte Mal.
Orion hat ihn verletzt.
Aber der böse Doktor konnte ihn nicht brechen.