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Fandom:
Characters:
Language:
Deutsch
Stats:
Published:
2022-11-04
Updated:
2024-02-18
Words:
13,519
Chapters:
5/?
Hits:
35

Reise ins Ungewisse

Summary:

Vielleicht wäre es gar nicht so schlecht, wenn man sie entdecken würde? Er war von Minakos Vorhaben ohnehin nicht gänzlich überzeugt, sondern hatte ihrem Plan aus der Feuernation zu fliehen und von ihren Familien abzuhauen eher aus Sorge um Minako und Spaß an der Gefahr zugestimmt. Dass sie etwas Gutes im ehemaligen Erdkönigreich tun könnten, erschien ihm immer noch sehr unwahrscheinlich.

Notes:

Wir gehen nicht davon aus, dass das irgendwer lesen wird, aber falls doch: Viel Spaß!

(See the end of the work for more notes.)

Chapter 1: Zuversicht und Zweifel

Chapter Text

Es waren nur noch wenige Stunden bis zum Sonnenaufgang, als das Schiff in den Hafen der noch ruhenden kleinen Stadt einfuhr. Es war gefüllt mit notwendigen und luxuriösen Waren aus der Feuernation, die von den Händlern der Kolonie sehnlichst erwartet wurden. Dies lag zum einen daran, dass die Bewohner die Gewürze, Kleidung und Werkzeuge ihrer Heimatinsel sehr schätzten und bereit waren, diese teuer zu importieren, aber zum anderen kam es in den letzten Monaten im Wald, der die Stadt nahezu gänzlich umschließt, vermehrt zu unheimlichen Vorfällen, sodass es weniger und weniger Händler wagten, den Wald zu durchqueren. Es wurde behauptet, dass ein bösartiger Geist dort sein Unwesen triebe, dessen Gestalt jeden Wanderer das Blut in den Adern gefrieren ließe. Den Bewohnern blieb somit nichts weiter übrig, als sich auf die regelmäßig liefernden Warenschiffe zu verlassen.

Inmitten eines solchen Schiffes, umgeben von stark riechenden Gewürzsäcken, versteckten sich zwei Teenager – ein Junge und ein Mädchen. Beide warteten angespannt auf den Moment, an dem das Schiff anlegen und sich der Kapitän und Teile seiner Mannschaft für die Abladegenehmigung zum Bürgermeister begeben würden, und sie so mit etwas Glück unentdeckt in die Nacht entschwinden könnten. Als ihnen die Gelegenheit günstig erschien, sammelten sie hastig ihre wenigen Habseligkeiten auf, und versuchten, zugleich schnell und leise das Schiff zu verlassen.

Sie hielten sich von den Straßenlaternen und den wenigen Wohnungen, in denen schon Licht gezündet wurde, fern und erreichten so in wenigen Minuten, die sich für die Kinder wie Stunden anfühlten, den Rand der Stadt. Das Mädchen sackte zu Boden und seufzte erleichtert. Mit dem Handrücken strich sie sich den schwarzen Pony von der Stirn. „Ich kann es immer noch nicht so recht fassen, dass wir es tatsächlich bis hierher geschafft haben“, flüsterte sie. „Ich kann es ja noch nicht mal fassen, dass wir es tatsächlich getan haben.“ Sie blickte ihren Begleiter an. Der durchtrainierte Teenager streckte sich, als hätte er wochenlang auf dem Schiff stillsitzen müssen, grinste und schüttelte zustimmend den Kopf. „Und jetzt soll dieser Wald auch noch verflucht sein. Ich weiß, dass sich der eine Kerl darüber lustig gemacht hat, aber ich glaube nicht, dass mir nach einem wild gewordenen Geist ist. Was machen wir jetzt, Kazan? Der Weg nach Ba Sing Se wird nur noch gefährlicher und länger.“ Kazan biss sich auf die Unterlippe. „Erst einmal sollten wir ein provisorisches Nachtlager aufbauen.“ Stille. „Ja, Mina, ich will auch nicht von diesem Geist gefressen, oder von irgendwelchen Spaziergängern entdeckt werden, aber in dem Licht können wir jetzt eh nichts weiter machen.“ Minako lehnte ihren Kopf gegen einen Baum. „Einverstanden, aber davor würde ich an dem Brunnen da drüben – das ist doch ein Brunnen, oder? Wieso muss es ohne Licht nur so dunkel sein? – unsere Wasserbeutel auffüllen. Dann halte ich die erste Wache.“ Kazan gab ein zustimmendes Geräusch von sich und sagte mit einem Lächeln in der Stimme: „Wenn du willst, kann ich gerne Laterne spielen -“ Minako blickte ihn empört an. Im matten Licht der Morgendämmerung gepaart mit einer züngelnden Flamme in seiner Hand würden seine Augen orange aufleuchten, das wusste sie. Ohne weitere Lichtquelle als dem Mond jedoch sahen seine bernsteinfarbenen Augen sie farblos an. „Du zündest hier jetzt gar nichts an, eher plumpse ich in den Brunnen, als dass wir von irgendeinem doofen Nachtwächter entdeckt werden.“ Kazan kicherte kurz, hielt dann allerdings inne. Vielleicht wäre es gar nicht so schlecht, wenn man sie entdecken würde? Er war von Minakos Vorhaben ohnehin nicht gänzlich überzeugt, sondern hatte ihrem Plan aus der Feuernation zu fliehen und von ihren Familien abzuhauen eher aus Sorge um Minako und Spaß an der Gefahr zugestimmt. Dass sie etwas Gutes im ehemaligen Erdkönigreich tun könnten, erschien ihm immer noch sehr unwahrscheinlich. Aber immerhin sieht man so etwas von der Welt, rationalisierte er. Und wenn Minako erst einmal erkannte, welchen Wohlstand die Feuernation dem Rest der Welt brachte, würde sie bestimmt wieder mit ihm umkehren. Bis dahin würde er aber gut auf sie aufpassen.

Er folgte Minako und beide schlichen zu dem kleinen Bauwerk, das frisches Wasser versprach, und füllten behutsam etwas davon in ihre Beutel. Sie hielten ein paar Mal inne, um besser auf ihre Umgebung achten zu können und sich zu vergewissern, dass ihnen das Quietschen der Seilwinde keine unerwünschten Besucher beschert hatte. Nachdem sie den Eimer langsam wieder hinabgelassen hatten, liefen sie zurück zum Waldrand und fanden eine Stelle, die ihnen durch den dichten Bewuchs Schutz vor den Augen der Stadtbewohner bieten sollte. Während sich Kazan einen halbwegs bequemen Schlafplatz suchte, richtete Minako ihre sandelholzfarbenen Augen auf die einzelnen Lichter, die sie von weitem erkennen konnte und lauschte den Geräuschen ihrer Umgebung.

 

Kazan erwachte wenige Stunden später durch ein lautes Gespräch einiger Männer in ihrer Nähe. Verschlafen blinzelte er hinüber zu Minako, die sich, eine Hand auf den Mund gepresst, neben ihn gehockt hatte und entsetzt durch die Blätter der Sträucher starrte.

„Und wenn schon! Dieses mickrige Dorf werden sie doch auch ohne unsere Hilfe überwältigen können. Ich setze keinen Fuß mehr in diesen verfluchten Wald!“ Es war eine schnarrende Männerstimme. Neugier packte Kazan, doch er wagte es nicht sich zu drehen um die Männer besser sehen zu können, aus Furcht, ein Rascheln könnte ihr Versteck verraten. Und auch Minako schien wie erstarrt, doch immerhin erlaubte ihre Position mehr als nur die Stimmen wahrzunehmen.

„Du bist ein Feigling, Tapan! Selbst wenn sie ohne uns zurechtkommen, es lohnt sich auf jeden Fall, die Häuser nach wertvollen Habseligkeiten zu durchsuchen. Irgendetwas findet man doch immer.“ Nun sprach ein anderer Mann. Seine Stimme klang um einiges tiefer, als wäre der Körper größer und fülliger als der des ersten Mannes. Einen Moment herrschte Stille, dann ertönte erneut die schnarrende Stimme: „Einverstanden.“ Murmelnde Zustimmung drei weiterer Männer folgte und die beiden Jugendlichen konnten die kleine Gruppe vorbeimarschieren hören.

Als sie sich sicher waren, dass niemand mehr in Hörweite war, lösten sie ihre angespannten Positionen und sahen einander an. „Was ist passiert?“, fragte Kazan, dem ein Teil des Gesprächs entgangen war. „Wir…sie… Krieger der Feuernation haben ein Dorf nicht weit von hier überfallen. Sie haben nach Wasserbändigern gesucht“, fasste Minako das Gehörte erschrocken zusammen. „Wasserbändiger?“, wiederholte Kazan verdutzt. „Wir sind doch im Erdkönigreich?“ „Hier läuft eben nicht alles wie bei uns zuhause.“ Minako sah Kazan eindringlich an. „Offensichtlich. Seit wann werden unsere Truppen ins Erdkönigreich geschickt, um sich persönlich materiell zu bereichern? Sie sollen den Wohlstand und Erfolg unserer großartigen Nation verbreiten.“ Minako warf ihm einen etwas mittleidigen Blick zu. „Was? Ach so. Ist mir… das war nicht...“, stammelte Kazan und wich ihrem Blick aus. Murmelnd fuhr er fort: „Dieser Abschaum. Aber ohne bedeutende Namen zu nennen, können wir sie nicht melden. Ich kenne keinen Tapan und seine Kollegen waren sicher auch nur kleine Fliegen. Generäle waren jedenfalls keine unter ihnen.“ Diese Anmerkung schien sie nicht zu beruhigen. „Sollte dies das normale Vorgehen der Soldaten sein, bestätigt das, was ich in den alten Büchern meiner Großeltern gelesen habe.“ Die beiden Jugendlichen tauschten nachdenkliche Blicke.

Unvermittelt begann Minako ihr Gepäck zu durchsuchen, fischte eine Karte hervor und studierte diese. „Wir müssen auch zu diesem Dorf und sehen, ob wir helfen können!“ „Hu?“, entfuhr es Kazan. Verlegen kratzte er sich am Kinn. „Ich weiß ja nicht. Wir müssten den Geisterwald durchqueren und wenn wir den heil überstehen, bekommen wir's danach mit Feuerbändiger-Truppen zu tun.“ Nachdenklich betrachtete er seine Freundin. Die Nacht war kurz; ihre schulterlangen Haare waren zerzaust und die lumpigen Kleider, die sie gegen ihre auffallende Feuernationkleidung getauscht hatten, werteten den Anblick nicht auf. Doch ihr Blick wirkte bestimmt.

Schließlich seufzte Kazan und zuckte mit den Schultern. „Ich könnte dich doch eh nicht aufhalten. Und solange wir uns von Omashu fernhalten...“ Er sah ihr fest in die Augen. „Wir werden nicht allen helfen können – wir müssen auch an unsere Sicherheit denken. Nur wenn sich die Möglichkeit ergibt, greifen wir ein, okay?“ Erfreut über die Gelegenheit helfen zu können und bevor Kazan es sich doch noch anders überlegte, packte Minako rasch ihre wenigen Besitztümer zusammen. „Eine Sache noch“, unterbrach sie Kazan. „Was machen wir wegen der Geister?“

Minako sagte mit unschuldigem Blick: „Beten und meditieren?“ Kazan stöhnte. „Nein, ernsthaft“, fuhr sie rasch fort. „Meine Oma hat meinem Bruder und mir manchmal Geistergeschichten erzählt, und die Geister darin waren immer auf die eine oder andere Art missverstandene Kreaturen.“ Kazan wirkte unbeeindruckt. „Ja“, entgegnete er trocken. „Die lassen ganz sicher mit sich reden. Die haben bestimmt nur Probleme sich auszudrücken.“ Minako verdrehte die Augen und stecke ihm die Zunge raus. „Ich meine ja nur, dass sie nicht wirklich bösartig sind. Wenn wir sie in Ruhe lassen und… und den Wald oder irgendetwas respektieren, lassen sie uns vielleicht auch in Ruhe. Wechselseitiges Inruhelassen klingt nach einer spirituellen Philosophie.“ Kazan war immer noch nicht überzeugt. „Du meinst also, dass all die anderen, die da durchkamen, miese Halunken waren, die Zweige zertreten haben, und deswegen bestraft wurden?“ Sie zuckte nur mit den Schultern. „Ja, vielleicht.“ „Ich hätte echt nich‘ gedacht, dass du da so locker rangehst“, meinte Kazan. „Na ja, warten wir mal ab, wie ruhig ich bin, wenn so ein Geist vor uns steht“, gestand Minako. „Aber darum kümmern wir uns, wenn es so weit ist.“ „Das ist so ein guter Plan, darauf wäre ich nie gekommen.“ Beide schulterten ihre Beutel und vergewisserten sich noch einmal, dass sie unbeobachtet waren. Kazan warf einen letzten Blick auf den Hafen, den man von weitem erkennen konnte.

 

Nach kurzer Zeit war der Wald bereits so dicht, dass es nur anhand der Möser und Flechten an den kräftigen, großen Bäumen zu erkennen war, in welche Richtung sie liefen. Minako faltete die Karte, die sie zur Orientierung zurate gezogen hatte, wieder zusammen und stopfte sie in ihre Tasche. Die Nacht war nun vollends dem Tag gewichen, was wohl der einzige Grund war, dass die beiden überhaupt etwas sehen konnten. „Ich denke, dass sie aus dem Dorf, das südwestlich von hier liegt, gekommen sind. Also sollten wir es da probieren“, flüsterte Minako. Sie wagte es nicht, lauter zu sprechen. Zum einen, weil der Wald auf sie unnatürlich ruhig wirkte und sie nicht annahm, dass es im Erdkönigreich wohl einfach keine Vögel gab, die einen in schrecklicher Früh weckten, und zum anderen war ihr daran gelegen, dem Grund für die Abwesenheit des Vogelgesangs nicht zu begegnen. Zu ihrer Aufregung, anderen Leuten helfen zu können, gesellte sich nun auch etwas Furcht. Ein Wald durfte einfach nicht so still sein.

Einige Minuten später begann Kazan leise zu summen. Minako überlegte kurz, ihn deswegen anzufahren, merkte aber, dass das Geräusch sie beruhigte und schwieg. Das Wetter an diesem Tag war angenehm. Obwohl es den Sonnenstrahlen nur selten gelang das Dickicht zu durchdringen, war es nicht kühl. Sie hatten zumindest die richtige Jahreszeit für ihre kleine Rebellion gewählt. Ein Punkt für uns, dachte Minako.

Kazan summte unbeirrt weiter. Das Geräusch war kaum lauter als ihre Schritte, und es half ihm beim Nachdenken. Die Geschichten, die sich die Seemänner auf dem Schiff erzählten, und von denen Minako und er ein paar Fetzen aufschnappen konnten, beschrieben keine einheitliche Form des Geistes. Einige hatten ihn nur gehört und nicht gesehen, andere nur gesehen, aber nicht gehört, die Größe reichte von „vergleichbar mit einem Feuerfalken“ bis „größer als ein Kohlwal“. Seine Farben waren zahlreicher als das Spektrum des Regenbogens, und niemand konnte sich einigen, ob er denn nun Arme, Beine und einen Kopf besaß. Vielleicht war es gar kein Geist, dachte Kazan. Vielleicht waren es nur irgendwelche Waldbewohner, die etwas gegen Feuerbändiger hatten, und sich die Angst vor Geistern zunutze machten? Aber was geschah dann mit den verschwundenen Leuten? Wollten sie einfach nicht mehr ins Dorf zurück und haben ihr Leben freiwillig woanders fortgeführt? Kazan öffnete den Mund, um Minako an seinen Überlegungen teilhaben zu lassen, als sich zu ihrer Rechten etwas bewegte.

Die beiden froren in ihren Bewegungen ein und beobachteten wie gebannt das Gestrüpp. Ein weiteres Rascheln ließ Minako zusammenzucken und sie trat einen Schritt näher an Kazan, der angespannt wirkte. Im nächsten Moment sprang laut quiekend ein Schweinshuhn aus einem der Büsche und rannte in die Richtung, aus der die beiden soeben gekommen waren. Kazan grinste Minako schelmisch an. „Du hattest doch nicht etwa Angst vor solch einem harmlosen Tier?“ Sie ging nicht darauf ein, sondern atmete nur erleichtert aus.

„Lass uns weitergehen und –“, begann sie, doch als sie über seine Schulter blickte hielt sie abermals inne. „Bleib einfach ruhig stehen“, flüsterte sie. Kazan runzelte die Stirn. „Damit sollte man nicht scherzen“, entgegnete er misstrauisch. Minako riss die Augen auf und schüttelte ihren Kopf kaum merklich als ihre Lippen ein Schhh formten. Der Junge drehte langsam seinen Kopf, um zu sehen, was sie erneut erstarren ließ; ein Pandabär bahnte sich gut fünf Meter von ihnen entfernt seinen Weg durch das Unterholz. Kazan blinzelte. Nein, etwas war anders an diesem Bären – zwar bewegte er sich gemächlich durch die vielen Sträucher und Büsche, doch verursachte er dabei keinerlei Geräusche. Unsicher wandte er sich wieder Minako zu, um die Antwort in ihrem Gesicht zu lesen, doch diese hatte inzwischen die Augen geschlossen, das Gesicht vollkommen entspannt. Sie würde doch nicht wirklich meditieren…? Ohne weiter darüber nachzudenken, beschloss er, es ihr gleichzutun und schloss ebenfalls die Augen. Die Anspannung ließ jedoch nicht nach.

Ein Pikser in die Seite ließ ihn zusammenzucken. „Wie lange willst du noch rumstehen und schlafen?“, neckte Minako mit gedämpfter Stimme. Fragend blickte sich Kazan um. „Dieser Bär, ist er weg? War das ein Geist?“ „Ganz bestimmt“, antwortete sie und ruckte mit dem Kopf, um ihn zum Weitergehen aufzufordern. „Ich sage doch, gegenseitiges Respektieren und Inruhelassen.“ Sie setzte ein Lächeln auf und schien höchst zufrieden mit sich.

„Könntest du mich fürs nächste Mal bitte vorbereiten? Du schließt einfach die Augen, machst dieses spirituelle Gedöns und lässt mich hilflos dastehen“, beschwerte sich Kazan. „Oh“, erwiderte Minako gespielt überrascht, „mir war nicht bewusst, dass ich dich beschützen sollte.“ Kazan fuhr sich durchs dunkelbraune Haar und atmete tief ein. „Wenn es um Geister und solche Wesen geht, schon.“ Minako grinste zur Antwort und sie liefen für eine Weile schweigend nebeneinander her.

„Meinst du, es gibt hier noch mehr von ihnen?“, fragte Kazan nachdenklich und unterbrach die unheimliche Stille des Waldes. „Diese Geister, mein ich.“ „Schwer zu sagen. Normalerweise ist nur ein Geist für ein Gebiet verantwortlich, doch an einigen Orten leben auch viele Geister zusammen“, erklärte Minako flüsternd. „Verstehe“, murmelte Kazan und die beiden verfielen wiederholt in Schweigen. Nach einiger Zeit lichtete sich der Wald spürbar. Vermehrt konnten sie nun Gräser entdecken, die tiefer im Wald, aufgrund der dichten Baumkronen keine Möglichkeit hatten zu wachsen. Das zunehmende Licht vertrieb jedoch peu à peu die angenehme Kühle des Waldes und schon bald mussten sie ihre Ärmel hochkrempeln, um der Wärme entgegenzuwirken.

Ein verräterischer Geruch deutete darauf hin, dass das Dorf nicht mehr weit sein konnte. „Schau nur!“, keuchte Minako entsetzt und deutete mit dem Finger geradeaus. Doch Kazan hatte es bereits gesehen – graue Rauchwolken verdunkelten den Himmel vor ihnen. Sie warfen sich einen raschen Blick zu, nickten und schlichen so schnell und unauffällig wie möglich in die Richtung des brennenden Dorfes.