Chapter Text
Zurück in Hogwarts
POV Remus
Hütte im Wald - 01. September 1975, Sonntag
Das erste, was er fühlt, ist sein Herzschlag. Schnell und hart pocht es in seiner Brust, wie auch in all den offen blutenden Wunden. Experimentell versucht er seinen linken Zeigefinger zu bewegen. Brennender Schmerz schießt ihm den Arm hoch, über seine Schulter bis in seine Seite. Er stöhnt.
Neben ihm wird seine Hand sofort umschlossen. Das lässt die Ketten - die seine Handfesseln an der Wand befestigen - klirren.
„Wie geht es dir?" Sirius.
Was macht er hier? Mit eisernem Willen kämpft Remus seine Augenlieder einen Spalt auf und dreht den Kopf leicht zur Seite. Seine Bemühungen werden mit einer neuen Welle an Schmerzen belohnt. Er stöhnt wieder.
Neben ihm kniet Sirius mit einer Ratte auf der Schulter. Peter. Richtig. Seine Freunde haben die Nacht bei ihm verbracht. Er schluckt in dem Versuch, seinen Mund mit Spucke zu befeuchten.
„Mir ging es schon besser."
Das sprechen tut weh, aber was tut gerade denn nicht weh.
Sirius lächelt ihn mitleidig an.
„Ich glaub nicht das du den Hogwarts-Express heute nehmen kannst."
Das war nicht Sirius. Das ist James. Er muss auf Remus anderer Seite sitzen. Der Werwolf ist zu erschöpft, seinen Kopf erneut zu drehen.
„Ihr müsst los." Bringt er hervor.
Sirius verzieht das Gesicht. „Wir können doch jetzt nicht einfach gehen!"
Panik steigt in ihm auf. Wenn seine Eltern erfuhren, das 3 weitere Personen von seinem Geheimnis wussten! Wenn seine Eltern erfuhren, dass seine 3 Freunde die Nacht bei ihm waren, dann würden sie ihn mindestens aus Angst aus Hogwarts nehmen.
„Ihr müsst!, Sirius! Bitte!"
Man muss die Panik in seiner Stimme hören, denn Sirius Gesicht verzieht sich noch mitleidiger. Remus andere Hand wird jetzt auch ergriffen. Er versucht den Schmerz, den ihm diese Geste bringt aus seinen Gesicht zu halten.
„Okay, okay. Alles gut. Wir gehen, bevor deine Eltern den leisesten Schimmer bekommen, dass wir hier waren."
„Jetzt."
„Remus..." wieder Sirius.
„Bitte!"
James drückt seine Hand und steht auf.
„Komm schon, Tatze. Wenn wir uns nicht beeilen müssen meine Eltern warten. Nicht, dass sie auf die Idee kommen bei den Lupins klingeln zu gehen."
Jetzt steht auch Sirius auf, nachdem er Peter auf den Boden gesetzt hat. Dieser verwandelt sich zurück.
Remus mustert die drei wie sie da stehen.
Fette Augenringe dominieren ihre Gesichter. James und Sirius sind durchgeschwitzt. Es kann nicht leicht gewesen sein, den Wolf die ganze Nacht über zu beschäftigen. Alle Drei haben Schrammen und blaue Flecken, wo ihre Shirts die Arme nicht bedecken. Sirius hat einne Schnitt direkt über Nasenrücken und Wange. Remus fühlt sich wiederlich.
„Gute Besserung" Peter winkt und verlässt den Raum. Er konnte nie mit all dem Blut umgehen.
James nickt ihm unbeholfen zu „Ruh dich aus, Moony. Wir sehen uns bald.“ Sirius geht als Letzter. Er sagt nichts. Presst nur die Lippen zusammen und erzwingt ein Lächeln. Dann geht er.
POV Severus
Hogwarts-Express, 01. September 1975
Severus schließt die Tür zu seinem Abteil mit einem Klick. Dann drückt er ein zweites Mal, prüfend. Er dreht an dem Schloss, der Riegel rastet ein. Das Guckfenster lässt er einen Spalt offen, um den Gang im Blick behalten zu können.
Draußen verabschieden sich Eltern unter Tränen von ihren Kindern. Seine Mutter hat ihm heute Morgen nur ein paar Penny in die Hand gedrückt. Gerade genug um den Bus zum nächsten öffentlichen Kamin mit Anschluss ans Flohnetzwerk zu bezahlen. Dann hatte sie ihn schnell und leise vor die Tür gescheucht. Tobias durfte nicht aufwachen. Er müsse das Geld für die Rückfahrt im Sommer selbst aufbringen. Das sei alles was sie zusammen treiben konnte. Tür zu.
Weiter vorne auf dem Bahnsteig sieht er 3 der Rumtreiber mit, was wohl Mr. & Mrs. Potter Senior sein müssen. Lupin fehlt.
Er zog die Gardine vom Fenster zu. Dann krammte er eines seiner Bücher - Zaubertränke des 18. Jahrhunderts - hervor. Mit diesem setzt er sich hin lehnt sich zurück und fängt an zu lesen. Nach ein paar Minuten ruckt der Zug und sie verlassen den Bahnhof.
Er muss schon länger in seinem Buch vertieft sein, da hört er Stimmen im Gang. Zwei Mädchen – nicht zu sehen, aber nah genug, um jedes Wort zu hören. Vermutlich Vertrauensschüler auf Patrouille.
„Warum glaubst du fehlt Remus diesmal?"
„Keine Ahnung, mich stört es nur das andauernd jemand seine Patroullien übernehmen muss, weil er krank ist."
„Ich versteh nicht, warum die Lehrer ihn zum Vertrauensschüler gemacht haben, wenn er seinen Pflichten nicht richtig nachgehen kann."
Severus fand es gab noch ganz andere entscheidendere Punkte, wegen denen Lupin ungeeignet war. Seine Feigheit seinen Freunden über zum Beispiel.
„Sie können ihn aber auch nicht als Vertrauensschüler ausschließen, nur weil er ein schwaches Immunsystem hat."
„Ich glaub ganz ehrlich nicht das es sein Immunsystem ist. Seine Krankheitsschübe sind dafür viel zu regelmäßig. Vermutlich hat er nur eine Krankheit, die er aus irgendeinem Grund Privat halten möchte."
„Kann sein ... " Die Stimmen werden leiser je weiter die Beiden entfernen.
Severus stimmt ihnen leise zu. Die Beiden haben Recht. Bloß, vergessen sie, dass er scheinbar von seinen Freunden begleitet wird. Jedes Mal wenn gegen Ende des letzten Jahres krank wurde, waren seine Freunde am nächsten Tag müde, sowie mit blauen Flecken und Schrammen übersät. Einem Kranken beizustehen erfordert selten die ganze Nacht nicht zu schlafen und nie blaue Flecke oder Schrammen. Irgendetwas stimmt da nicht. Es würde nicht Schaden herauszufinden, was die Vier verbergen.
Hogwarts lässt sich bereits vom Bahnhof aus erkennen. Die Erstklässler drängen zu den Booten. Severus findet sich eine leere Kutsche.
Oben angekommen halten sie. Ein Quietschen von Rädern, das Klacken der Hufe – dann das Drängeln der Schüler, die sich auf den Weg zur Großen Halle machen. Severus steigt als einer der Letzten aus. Seine eisigen Finger umklammern den Griff seines Zauberstabs fester, als der Wind vom See herüberweht.
Das Schloss erhebt sich vor ihm im Halbdunkel, alt und unbewegt – wie eine Erinnerung aus Stein, zu groß, um sie zu ignorieren.
Die Große Halle empfängt ihn mit goldwarmem Licht. Die Kerzen schweben, wie jedes Jahr, zwischen den verzauberten Sternen der Decke.
Er nimmt Platz in der Mitte des Slytherin-Tisches. Nicht zu weit vorne, nicht zu weit hinten. Weit genug weg von Mulciber und Avery, die über irgendetwas lachen, das nach Blut-Rassismus klingt.
Am Gryffindor-Tisch fehlt ein Gesicht. Lupin ist nicht da. Black, Potter und Pettigrew hingegen sitzen auf ihren Plätzen – übermüdet, die Gesichter fahl unter der Kerzenbeleuchtung. Potter lässt sich zurücksinken, als hätte er die Bank fast verfehlt. Sirius beginnt noch vor Dumbledores Rede, sich die restlichen Kürbispasteten aus dem Zug in den Mund zu schieben. Peter hat rote Ränder unter den Augen und schnäuzt sich diskret in den Ärmel.
Dann erhebt sich Dumbledore.
Die Halle verstummt.
Wie jedes Jahr spricht er nur wenig – ein kurzes Willkommen, die obligatorische Warnung vor dem Verbotenen Wald, die Vorstellung des neuen Verteidigungslehrers – ein viel zu junger Professor in moosgrünem Umhang, der nervös auf seinem Stuhl herumrutscht.
„Nun denn“, schließt Dumbledore, die Hände ausgebreitet, „lasst das Fest beginnen.“
In diesem Moment füllen sich die Platten. Krüge kippen, dampfende Speisen tauchen auf den Tischen auf. Die warmen Aromen von würzigem Fleisch, gebratenen Kartoffeln und süßem Kürbiskompott breiten sich aus.
Die Geräusche kehren zurück – ein Crescendo aus klapperndem Besteck, begeisterten Erstklässlern und dampfenden Platten.
Severus senkt den Blick auf seinen Teller. Er nimmt einen Löffel Kartoffelpüree. Während die Gespräche ringsum lauter werden, bleibt er still. Ab und zu flackert sein Blick zum Gryffindor-Tisch. Keine Spur von Lupin. Black eine Schramme quer über sein Gesicht.
Und Potter gähnt in seinen Teller.
Als die Halle sich leert, reiht Severus sich in die Menge der Slytherins ein.
Er zieht seinen viel zu dünnen Umhang enger um sich und schlüpft mit gesenktem Kopf zwischen den anderen hindurch. Weit genug weg von Mulciber und Avery, die kichernd sich gegenseitig mit halblauten Flüchen bewerfen – einer davon riecht verdächtig verbrannt.
Sie betreten den Slytherin-Gemeinschaftsraum, ein dunkles Gewölbe mit grünlich schimmernden Licht vom See und dem dumpfen Murmeln halber Gespräche. Ein paar Schüler verziehen sich sofort auf ihre Zimmer, andere lassen sich auf die Sessel fallen. Auf einem der Sofas sitzt Regulus Black, Sirius’ jüngerer Bruder, bereits über ein dünnes Buch gebeugt – klein, stumm, fast unsichtbar.
Severus bleibt nicht lange.
Die alten Steinstufen führen ihn in den Schlafsaal der Fünftklässler, wo er seinen Koffer am Fußende eines der hölzernen Himmelbettes findet. Noch bevor er sich setzen kann, zischt Avery:
„Hab gehört, Gryffindor hat neue Schlammblüter. Das Unkraut vergeht nicht.“
Mulciber grinst. „Wenigstens kommen sie nicht nach Slytherin. Wir haben nur vereinzelt dreckige Halbblüter.“
Severus sagt nichts. Er kramt seine Schlafsachen hervor, dreht sich um und geht wortlos Richtung Badezimmer.
Avery gluckst. „Ey, Snape – kein Grund, gleich weinend wegzurennen.“
Severus wirft ihm keinen Blick zu und schließt die Badezimmertür.
Endlich im Bett, die Vorhänge sind zugezogen, liegt Severus auf dem Rücken und starrt an das samtige Dach seines Himmelbetts. Ein dumpfes Klirren dringt durch den Stoff – jemand räumt unten Gläser weg. Man hört noch gedämpftes Gelächter.
Er geht den Tag durch – das Gespräch im Zug, die Müdigkeit bei den Gryffindors, Lupins Abwesenheit.
Was noch? Lupin hat seine Krankheit vermutlich schon lange. Immerhin verschwindet er regelmäßig für ein bis zwei Tage, seit ihren erstem Schuljahr.
Wenn er sich versucht zurückzuerinnern, begleiten ihn Potter, Black und Pettigrew erst seit gegen Ende des letzten Jahres. Er errinnert sich, dass er mehrfach Tagelang besonders vorsichtig durch Hogwarts geschlichen ist, da trotz der Müdigkeit der Vier, keine 'Pranks' folgten. Sie wussten es früher – Offensichtlich, schließlich war Lupin dauern abwesend. Warum also ab dann? Was hat sich verändert? Irgendetwas passte nicht.
Seine Gedanken wollten sich nicht stimmig sortieren. Er würde sich morgen Notizen machen und ordnen. Vielleicht kommt er dann weiter.
