Chapter Text
„Kollegen, ich bin der Ansicht, dass wir hier unmöglich richtig sein können.“
Justus hatte Recht, fand Bob. Nach einem Anwesen sah das hier wirklich nicht aus. Sie waren vom Highway abgefahren und waren brav den Anweisungen von Google Maps gefolgt. Sie waren zweifellos da, wo der Punkt auf Peters Handy rot aufleuchtete.
Bob lehnte sich etwas herüber, zoomte weiter ins Bild und versuchte dabei zu ignorieren, wie er Peters Körperwärme spürte und seinen Geruch wahrnahm. Scheiß Gefühle! Doch das Zoomen änderte nichts. Sie waren an der richtigen Adresse.
„Naja“, sagte Peter zögerlich, ohne sich dabei auch nur ein Stück von Bob abzuwenden, „Mr Wedlington ist ja durchaus ein eigenartiger Zeitgenosse. Wenn er diese vermüllte Bruchbude als ein Anwesen bezeichnen möchte, dann finde ich das nicht gerade überraschend. Und dass alles mit dickem Stacheldrahtzaun eingepackt ist, passt meiner Meinung nach auch zu ihm.“
Bob lehnte sich zurück in Richtung seines eigenen Sitzplatzes und starrte durch die Frontscheibe. Es sah wirklich furchtbar aus. Das Haus war zwar tatsächlich nicht gerade klein, aber es war wirklich alles andere als ein Anwesen. Es war ein veraltetes Haus mit bröckelndem Putz und so viel Sperrmüll auf dem Vorhof, dass darin bestimmt ganze Waschbärfamilien hausten. Man sah das Haus auch generell nicht besonders gut, denn das ganze Gelände war großräumig abgesperrt. In der Straße standen noch ein paar wenige weitere Häuser, die ähnlich große Grundstücke hatten. Sie sahen zwar etwas sauberer aus, aber sie waren ähnlich alt wie das von Mr Wedlington. Aufgrund der großen Grundstücke waren die Häuser so weit voneinander entfernt, dass man kaum von einer Nachbarschaft sprechen konnte. Es war definitiv keine schöne Wohngegend.
„Nun gut!“ Justus schlug sich energetisch auf die Oberschenkel. „Dann lasst uns mal ein Klientengespräch führen.“
Peter wirkte nun nicht mehr so sicher, wie er es heute Morgen beim Einsteigen gewesen war. Bob wusste genau, was er dachte. Ihm war sicher flau im Magen. Zu gern hätte er ihm die Hand auf die Schulter gelegt. Oder auf den Oberschenkel. Er ließ es.
Stattdessen wandte er sich Justus zu.
„Denkst du wir sollten die Westen tatsächlich anziehen?“
„Na klar, Bob“, sagte Justus selbstbewusst. „Unser Klient hat sie uns ja extra für diesen Zweck gegeben. Ich hoffe nur, dass Peter seine perfekte Frisur nicht zerstört, wenn er sie sich über den Kopf zieht, das wäre ja wirklich tragisch.“
Peter verdrehte die Augen und Bob musste sofort ein bisschen grinsen. Peter war wirklich süß, wenn er so ein bisschen rot wurde.
Bob hätte Peters Gefühl eigentlich gern Recht gegeben und wäre wahnsinnig gern einfach wieder nach Hause gefahren. Irgendwie war das hier alles komisch. Dennoch zog er sich ohne Widerworte nun mit den anderen beiden die Westen an und stieg mit ihnen aus dem Auto.
Justus drückte die Klingel und sofort kam eine blecherne Stimme aus der Gegensprechanlage: „Ja, wer ist da?“
„Hier sind die drei Fragezeichen, Sir“, antwortete Justus ruhig.
Die Tür surrte und die drei betraten das Grundstück.
Es sah aus der Nähe nochmal schlimmer aus als von draußen. Die Müllcontainer flossen über und der Geruch von vermodertem, feuchten Holz lag in der Luft.
„Mir gefällt das ganz und gar nicht, Kollegen“, sagte Peter zögerlich.
„Peter“, raunte Justus, „ich gebe zu, dass ich durchaus auch ein wenig verwundert bin, was die Umstände unseres Falls angeht. Dennoch haben wir diesen Fall angenommen und es ist nur fair, unserem Klienten zunächst Gehör zu schenken. Außerdem sehe ich weit und breit niemanden, der auf uns schießen könnte. Ich halte diese Situation zwar für merkwürdig, aber nicht für gefährlich.
Bevor sich Peter weiter beschweren konnte, wurde die Haustür aufgeworfen und Mr Wedlington winkte ihnen eifrig zu. „Kommt herein, kommt herein!“, sagte er gepresst. „Na los, bevor euch noch jemand sieht!“
Eilig leisteten die drei Mr Wedlingtons Aufruf folge und traten durch die Tür, die Mr Wedlington schnell hinter ihnen schloss. Bob schaute sich um und kam aus dem Staunen kaum heraus.
Hier war es ordentlich! Sie standen in einer recht großen Eingangshalle mit antiken Möbelstücken. Unter ihren Füßen lag ein Teppich, der Bobs Ansicht nach mehrere tausend Dollar kosten musste. Auf beiden Seiten des Raumes zogen sich geschwungene dunkle Holztreppen an der Wand hoch, die in der Mitte zu einer Galerie zusammenliefen. An den Wänden hingen wertvoll aussehende Ölbilder in verzierten Rahmen und von der Decke hing ein Kronenleuchter.
„Na, da staunt ihr nicht schlecht, was?“ Mr Wedlington grinste über das ganze Gesicht. Auch er sah ganz anders aus, als Bob ihn vom letzten Mal in Erinnerung hatte. Er trug ein Hemd, ein Tweed-Jackett und eine braune Anzughose. Zwar waren seine Haare und sein Bart immer noch genauso strubbelig, wie bei ihrem letzten Treffen, aber so sah Mr Wedlington eher aus wie ein zerstreuter Professor, als wie ein ungepflegter Verschwörungstheoretiker.
„Ich gebe zu, Mr Wedlington“, sagte Justus, „dass ich aufgrund des Aussehens Ihres Grundstückes auf ein ähnlich aussehendes Interieur Ihres Anwesens geschlossen hätte.“
„Jahaa!“, rief Mr Wedlington. „Das ist nämlich alles Maskerade! Maskerade, sage ich euch! Kommt mit, ich zeige euch den Rest des Hauses.“
Die drei Fragezeichen waren baff. Peter und Justus waren sichtlich verwirrt – das war für Bob nicht schwer zu erkennen – und auch Bob fühlte sich, als stünde er vor einem Puzzle, dass sich einfach nicht ineinander einsetzen ließ. Sprachlos und verwundert trotteten sie hinter Mr Wedlington her, der in seinem Redefluss kaum Luft zu holen schien.
„Also, seht her, Jungs. Hier unten ist meine Küche, das ist natürlich selbsterklärend, was man hier tut. Aber ich koche natürlich nicht besonders viel, ich bin wirklich schlecht darin, müsst ihr verstehen. Und alle Zimmer sind miteinander verbunden, wisst ihr? Ja, also hier durch“ – Er führte sie durch eine alte, wenn auch sehr edle Küche. Bob fiel auf, dass hier schon wieder ein riesiges Bücherregal stand. Im Eingangsbereich hatte auch schon eins gestanden. Dieser Kerl musste entweder sehr viel lesen oder er war ein Horder. – „Ja, hier durch – folgt mir, folgt mir – ist das Wohnzimmer. Und dann das nächste Zimmer ist ein Gästezimmer, falls ihr das mal brauchen solltet – das kann ja durchaus passieren – und dahinter ist ein Badezimmer. Kommt ich zeige euch alles.“
Mr Wedlington lief wirklich schnell und er schien noch schneller zu reden. Bob wusste immer noch nicht so recht, was er sagen sollte. Es war auch zweifelhaft, ob er überhaupt dazwischenkommen würde, wenn er es versuchen würde. Das machte doch alles keinen Sinn. Er schaute herüber zu Peter, der ihm seinen verwirrten Blick eins zu eins spiegelte. Justus hingegen sah etwas gesammelter aus. Er schien sich sorgfältig umzusehen, betrachtete die Einzelheiten jedes Zimmers eingehend und trottete weiter brav hinter Mr Wedlington hinterher, während dieser in einem konstanten Redefluss seine skurrile Haustour gab. Sie waren gerade dabei, aus dem stilvoll eingerichteten Gästezimmer zurück in den Eingangsbereich zu gehen, als Justus die Chance ergriff, zu sprechen: „Mr Wedlington, ich hoffe, Sie erachten meine Frage nicht als unhöflich oder ungeduldig – das läge mir fern zu beabsichtigen – aber ich muss gestehen, dass ich nicht recht weiß, warum wir überhaupt hier sind. Vielleicht könnten Sie uns dahingehend etwas aufklären.“
Der Mann stockte etwas und schien kurz nachzudenken, dann fing er sich wieder. „Ach ja! Natürlich, Junge, du hast ja völlig recht.“ Er fasste sich mit beiden Händen in seine strubbeligen, angegrauten Haare und schaute dann zwischen den Jungs hin und her. „Also, ich werde nun eure Zeit nicht weiter verschwenden. Ihr habt ja völlig recht. Kommt mit mir nach oben, da ist meine Kommandozentrale. Da wird vielleicht alles etwas klarer. Es ist ja auch verwirrend, ich gebe es gern zu. Aber es wird euch alles klar werden. Ja, schlussendlich ist alles ganz einfach. Aber dann auch nicht. Naja, ihr werdet sehen. Folgt mir!“ Schwungvoll nahm er die ersten paar Stufen und bedeutete ihnen mit einer Geste, ihm hinterherzukommen. „Also hier oben ist als allererstes meine Bibliothek“, sabbelte Mr Wedlington weiter, während er die knarrenden Stufen nach oben sprang, „und dahinter habe ich alles gesammelt, was ich bisher weiß. Dokumente, Beobachtungen, Daten, Fotos, ihr werdet begeistert sein.“ Sie folgten ihm durch einen wirklich beeindruckend riesigen Raum, der mit Büchern nur so vollgestopft war. Alle Wände hatten eingebaute Bücherregale und in der Mitte standen auch noch einige Reihen mit Deckenhohen Bücherschränken. Am Ende des Raumes befand sich eine weitere große Holztür. Mr Wedlington warf sie mit einer schwungvollen Bewegung auf. „Viola! Hier ist mein ganzer Stolz.“
Justus, Peter und Bob traten über die Schwelle betrachteten den Raum, der vor ihnen lag. Zum ersten Mal seit der letzten Viertelstunde schwieg Mr Wedlington. Die Kommandozentrale sah genauso aus, wie man sich eine Kommandozentrale vorstellen würde, dachte Bob. Die eine Wand zu seiner linken, an der keine Fenster waren, war eine große Pinnwand – vollgehängt mit Bildern, Zeitungsschnipseln, Zetteln, Notizen und roten Fäden. Die Wand, die in ihrem Rücken lag, hing voll mit einigen Monitoren, auf denen Kameraaufzeichnungen liefen, die Bob nicht zuordnen konnte. Vor den beiden Fensterwänden standen mehrere Tische mit Kisten, Akten, Büchern, Zettelstapeln und zwei PCs. Durch die Fenster sah man einige Satellitenschüsseln und Spionagezubehör wie man es aus Filmen kannte. Es war viel – viel zu verarbeiten und viel zu sehen. Und doch, auch wenn es hier recht unordentlich aussah, schien das Ganze doch einiges an System zu haben.
„Vielleicht ist es ganz gut“, riss Mr Wedlington sie aus ihren Gedanken, „wenn ihr euch ein bisschen Zeit nehmt, alles anzuschauen.“ Er kratzte sich nachdenklich am Kopf. „Natürlich ist das viel zu viel für einen Tag, aber ihr könnt euch ja mal einen groben Überblick machen und ich hole euch was zu trinken. Was denkt ihr? Limo?“
Justus schien der Einzige zu sein, der sich in der Lage fühlte, zu antworten: „Eine gute Idee, Mr Wedlington, vielen Dank.“
Damit drehte sich ihr Klient auf der Stelle um und ließ sie mit seiner Kommandozentrale allein.
„Was um alles in der Welt geht hier ab?“ raunte Peter, sobald Mr Wedlingtons Schritte weit genug weg waren. So verwirrt und fassungslos hatte Bob ihn selten gesehen. „Dafür, dass wir heute Morgen noch gar nichts wussten, ist das ja hier mal der absolute Overkill.“
Bob wusste immer noch nicht, was er sagen sollte. Recherchen waren eigentlich sein Metier, aber bei dieser Fülle an Material wusste er überhaupt nicht, wo er anfangen sollte.
Peter wandte sich ihm zu und legte ihm die Hand sanft auf die Schulter. „Ist alles okay, Bob?“
„Ja, schon“, antwortete er zögerlich. „Das ist nur alles etwas viel. Wie sollen wir uns das jemals alles anschauen?“
„Naja, Kollegen“, warf Justus ein, „jetzt werdet mal nicht mutlos. Wir teilen uns auf! Ich schaue mir die Pinnwand an. Bob, du beginnst mit den Tischen. Peter versucht zunächst herauszufinden, welche Orte Mr Wedlington zu filmen scheint. Peters und meine Aufgabe ist ja eher kleiner, deshalb werden wir dir beide helfen, sobald wir uns einen groben Überblick verschafft haben. Bis dahin hast du, Bob, vielleicht schon ein System in den ganzen Akten und Stapeln entdeckt, sodass du uns auf eine sinnvolle Art und Weise in deine Recherchen einbinden kannst.“
„Na gut, dann los.“
Bob ging auf seinen Rechercheberg zu und versuchte, sich einen Überblick zu verschaffen. Es gab 5 Tische, die zu einem großen L zusammengestellt waren. Auf den linken zwei Tischen, die die kurze Seite des Ls bildeten, standen es ein paar Kisten. Auf der einen stand groß „Tony“. Eine andere hieß „Tigerauge“ und eine paar Weitere hießen „Observation 1“, „Observation 2“ und „Observation 3“. Auf der Ecke des Ls waren mehrere Stapel an Notizheften. Bob blätterte einige kurz durch. Größtenteils waren sie gefüllt mit Zeitmarken, als hätte Mr Wedlington verschiedene Personen observiert und ihre gesamten Tagesabläufe minutiös aufgeschrieben. Dazwischen schienen aber auch einfach Schlagwörter und unzusammenhängende Gedankengänge notiert worden zu sein. Manche Seiten fehlten ganz, waren zum Teil herausgerissen, zusammengeklebt oder durchgekritzelt. Bob schaute sich auch noch die Kisten unter den Tischen an. Es mussten bestimmt 30 sein. Er öffnete eine probeweise. Sie war voll mit losen Notizzetteln, ähnlich wie sie sich auch neben den PCs häuften. Wenn ihr Fall darin bestand, sich durch alle Informationen zu schaufeln, die in diesem Raum waren, würden sie Wochen brauchen ihn zu lösen.
Es war bereits dunkel als die drei Fragezeichen sich erschöpft in die Sitze von Bobs Käfer fallen ließen. Sie hatten für den Rückweg aus dem Haus wieder die Westen anziehen müssen, die sie in Mr Wedlingtons Kommandozentrale irgendwann ausgezogen hatten. Mr Wedlington hatte darauf bestanden, sie nicht ohne angezogene Westen aus dem Haus zu lassen. Das alles kam Bob eigenartig vor. Er fühlte sich, als hätte er den ganzen Tag nichts geschafft, obwohl er stundenlang gearbeitet, gelesen und recherchiert hatte. Wortlos drehte er den Schüssel seines Käfers im Schloss und fuhr Richtung Rocky Beach. Peter nickte noch in Calabasas neben ihm ein und auch Justus gab keinen Laut von sich. Die beiden schienen genauso erschlagen zu sein, wie er selbst. Erst als Bob am Gebrauchtwarencenter Jonas Halt machte, meldete sich Justus mit einem erstickten Gähnen zu Wort:
„Kollegen, lasst uns doch morgen um 11 eine Lagebesprechung in der Zentrale machen. Dann können wir ja unser weiteres Vorgehen besprechen.“
Bob nickte still. Peter gab nur ein schläfriges Brummen von sich. Ob er Justus‘ Anweisung wirklich registriert hatte, war fraglich. Bob drehte den Wagen und ließ den Schrottplatz hinter sich.
„Weißt du Bob“, sagte Peter leise, als Bob schließlich vor dessen Haus zum Stehen kam, „ich glaube, das hier ist der erste Fall, bei dem ich tatsächlich glaube, dass wir ihn unmöglich lösen können.“
„Hm“, stimmte Bob ihm zu, „ich weiß halt auch einfach echt nicht, wie viel von dem Ganzen, das Mr Wedlington so erzählt, tatsächlich passiert ist und was davon nur in seinem Kopf stattfindet. Ich werde aus ihm nicht schlau.“
„Ich auch nicht“, gab Peter zu. „Aber das werde ich auch heute nicht mehr lösen können. Ich bin viel zu müde.“ Er machte eine kurze Pause. „Ich dachte, wir verbringen diese zwei Wochen damit, unsere Sachen zu packen, nochmal richtig das Leben in Rocky Beach zu genießen und einfach miteinander abzuhängen. Stattdessen rennen wir jetzt so einem Kerl hinterher, der bestimmt nicht mehr alle seine Sinne beisammen hat.“
„Naja, einiges ist an der Sache ja schon seltsam. Ich glaube, irgendwas ist an seinem Gerede schon dran. Aber dass er sich da endlos reingesteigert hat über die letzten Jahre, ist definitiv nicht zu bezweifeln.“
„Kann sein. Du hast ja recht. Ich glaube ich bin einfach ein bisschen wehmütig.“
Bob drehte seinen Kopf zur Seite und schaute Peter direkt in die Augen. Er sah in nur dunkel – die Straßenlaternen spendeten gerade genug Licht, dass er seine Umrisse gut erkennen konnte. „Was macht dich wehmütig?“
„Naja alles“, sagte Peter. „Dass wir wegziehen. Und dass ich nicht weiß, wie viel ich euch noch sehen kann. Ich will einfach die Zeit hier genießen, bevor sich alles verändert.“
Bob musste unweigerlich etwas lachen. „Ich dachte, ich wäre der Einzige, dem es so geht. Ich habe echt ein bisschen Angst, dass ihr am College andere Leute kennenlernt und mich vergesst.“ Das hatte er so noch nie jemandem gegenüber ausgesprochen.
Peters Gesichtszüge veränderten sich. Sein Blick wurde weicher. „Bob.“ Seine Stimme klang so viel fürsorglicher als den ganzen Tag über heute. „Ich kann dir versprechen, dass ich niemals auch nur auf die Idee kommen würde, dich zu vergessen. Ich glaube nicht, dass das geht. Solange du weiterhin in meinem Leben bleiben willst, bleibe ich auch in deinem. Klar, wir werden nicht mehr in Rocky Beach sein. Aber so schnell wirst du mich nicht los!“
Bob musste schlucken. Die liebevollen Worte und Peters eindringlicher Blick waren in diesem Moment kaum auszuhalten. „Danke, Peter.“
„Immer!“, sagte dieser.
Sie schauten sich immer noch an. Man hätte den Moment mit einem Messer schneiden können, so dicht lag die Spannung in der Luft, fand Bob. Vielleicht bildete er sich das aber auch nur ein. Wahrscheinlich hatte Peter Mitleid mit ihm, nachdem er ihm so einfach seine Ängste offengelegt hatte. Wie beendete man so einen Moment? War es ein Moment? Oder war es einfach eine Konversation am Ende eines anstrengenden Tages?
Letztlich unterbrach Peter die Stille, indem er sich dem Rucksack bei seinen Füßen zuwandte und in der gleichen Bewegung die Autotür in die dunkle Nacht öffnete. „Naja, Bobbele, zumindest für die Zeit dieses komplett skurrilen Falls wirst du weder Justus noch mich los. Und selbst wenn wir die Zeit nicht zu hundert Prozent für uns auskosten können, verbringen wir sie zumindest miteinander, nicht wahr?“
Bob schmunzelte gepresst. „Da hast du wohl recht.“
„Dann morgen in alter Frische?“ Er hatte wohl Justus vorhin doch zugehört gehabt.
„Morgen in alter Frische“, gab Bob zurück.
„Und Bob?“
„Ja?“
„Mach dich nicht verrückt! Das wird alles. Du bist ja nicht allein.“
Mit den Worten hob Peter seine Hand zu Bob herüber, zerstrubbelte seine Haare und stieg dann schwungvoll aus dem Auto. Als Bob seine Gedanken wieder gesammelt hatte, war Peter schon durch die Haustür verschwunden.
