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Das Tigerauge

Chapter 28: Kapitel 28: Die Suche

Summary:

Was bisher geschah: Die vier Jungs sind aus Rocky Beach zurückgekehrt und gleich erstmal Ben auf dem Parkplatz begegnet. Am nächsten Morgen ist Justus verschwunden.

Notes:

Ahh Leute, diese Woche war die absolute Hölle auf der Arbeit, ich weiß gar nicht, wie ich es geschafft habe, dieses Kapitel zu schreiben. Aber irgendwie habe ich es gebraucht, so als Ablenkung. Schreiben ist ja echt manchmal ein Coping Mechanismus. So, ich hoffe, es gefällt euch, viel Spaß :)

(See the end of the chapter for more notes.)

Chapter Text

„Ja, Justus hat mich tatsächlich angerufen“, bestätigte Cotta. Bob und Peter hatten sich angezogen und den Inspektor in Trevors Beisein angerufen. Er war sofort drangegangen. „Ich hab ihm auch gesagt, dass ich das alles für keine gute Idee halte, aber das hat euren ersten Detektiv ja noch nie abgehalten. Dass er euch nicht mitnehmen würde, war mir allerdings nicht klargewesen.“

„Naja, wenn er heute Morgen erst los ist, kann er ja nicht weit gekommen sein bisher, oder?“, warf Peter ein.

„Heute Morgen?“, schallte es wieder aus dem Handy. „Nein, er hat mich schon gestern Abend spät angerufen. „Wenn er bis jetzt nicht wieder aufgetaucht ist, kann das kein gutes Zeichen sein.“

Den drei Jungs fielen die Kinnladen nach unten. Justus hatte sich gestern Abend schon rausgeschlichen?

„Er muss gewartet haben, bis ich eingeschlafen war und ist dann nochmal raus“, sagte Trevor leise.

„Was hat er Ihnen denn überhaupt gesagt, Cotta?“, wollte Bob nun wissen. „Was wollte er denn bei dem Maisfeld?“

Cotta räusperte sich. „Er sagte, er habe mit eurem Klienten telefoniert. Dieser habe erzählt, er wisse, dass die Tigerauge-Leute aufgrund ihrer Religion Verstorbene nicht weit von der Stelle, an der sie gestorben sind, wegtragen dürfen. Deshalb würden sie immer in der Nähe des Todesortes begraben werden. Irgendwas mit Seelen und Natur oder so. Ich habe es nicht alles verstanden. Naja. Da Justus nicht wusste, wo die Unfallstelle, von der Mrs Young berichtet hatte, war, wollte er nachsehen, ob in der Nähe des Maisfeldes, in dem damals diese Schießerei stattgefunden hat, auch irgendwo Stiefmütterchen zu finden seien. Genaugenommen wollte er, dass ich das tue. Ich habe gesagt, ich könne morgen irgendwann Goodween schicken, wenn der Schicht hat. Ich selber habe gestern bis spät in die Nacht gearbeitet und wusste, dass ich das nicht auch noch schaffen konnte – wegen der Taskforce für die Vermisste, ihr wisst ja. Dann wurde er ungeduldig, sagte, er würde es einfach selbst machen, und legte auf. Der Rest ist Geschichte.“

„Ach scheiße“, sagte Peter.

„Du sagst es“, bestätigte Cotta. „Nun… Da wir jetzt den nächsten Vermissten haben, werde ich auf jeden Fall auch gleich alle Hebel in Bewegung setzen und nach ihm suchen lassen. Immerhin hat er euren Klienten dabei und ist nicht völlig alleine.“

„Wir werden ihn natürlich auch mit suchen gehen, das ist keine Frage.“ Peter hatte sehr bestimmt geklungen. Eine Sache, auf die man sich immer verlassen konnte: Peter hatte zwar Angst, aber wenn es um seine Freunde ging, war er der loyalste Mensch, den man irgendwo finden konnte. Bob griff nach seiner Hand und drückte sie.

„Ich würde euch ja davon abhalten, aber ich kenne euch lang genug. Ihr würdet eh nicht darauf hören.“

„Vermutlich nicht“, bestätigte Bob.

„Gut, dann seid wenigstens vorsichtig. Ich hab gehört, ihr habt Schutzwesten?“

„Ja.“ Bob nickte.

„Dann benutzt die. Und um Gottes Willen, passt auf euch auf.“

Sie sagten noch ein paar verabschiedende Worte und legten auf. Eine Weile sagte niemand etwas. Die Schwere der Situation lag spürbar im Raum.

„Wisst ihr denn überhaupt, wo dieses Maisfeld ist“, fragte Trevor schließlich.

Bob nickte. „Auf unserer großen Verschwörungsmindmap ist eine Karte. Da ist es eingezeichnet.“

Trevor blickte ihn ausdruckslos an. „Eure Verschwörungsmindmap.“ Er fuchtelte kurz mit der Hand in er Luft. „Du sagst das so, als wäre das ein Wort, aber ich kann dir versichern, das ist kein Wort.“

Bob zog die Mundwinkel amüsiert nach oben. „Möchtest du, dass ich dir die morphologische Bedeutung von Komposita erkläre, oder möchtest du sie einfach sehen?“

„Sie hängt in unserem Zimmer“, erklärte Peter hilfsbereit.

Trevor schaute immer noch ausdruckslos zwischen ihnen hin und her. Dann lief er an ihnen vorbei ins Zimmer und schaute sich um. Als er schließlich wieder mit dem Gesicht zu ihnen stand, entdeckte er schließlich, wovon Bob und Peter gesprochen hatten. „What. The. Fuck.“ Mit großen Augen stand er da und starrte auf die Wand.

Bob und Peter folgten ihm ins Zimmer. Bob betrachtete das große Papierchaos. In der Mitte eine fast 20 Jahre jüngere Tony.

„Hat das hier die ganze Zeit gehangen? Das Bild von meiner Mom?“

Bob presste die Lippen zusammen und zog die Augenbrauen nach oben. „Jap.“

„Das ist mir ja ne Spur zu wild.“

„Verständlich“, sagte Peter.

Bob widmete sich der Karte, die irgendwo zwischen den Gesichtern und Notizen hing. Darauf war Calabasas und seine Umgebung zu sehen. Einer der eingezeichneten Punkte führte mit einer Schnur zu einem Zeitungsartikel mit dem Titel „Schusswechsel im Maisfeld“. Der Zeitungsartikel hatte ihnen schon damals nicht viel geholfen. Es standen wirklich keine irgendwie relevanten Informationen darin. Aber den Ort dazu hatte Mr Wedlington für sie markiert. Er war etwas südwestlich von Calabasas gelegen. Bob zückte sein Handy und öffnete Maps. Er zoomte in die Karte hinein und suchte sie nach einem möglichen Feld ab. Es gab an der Stelle keins. Aber die Straßenführung drumherum war immer noch dieselbe. Er machte einen Punkt in die Karte, wo der Punkt von Mr Wedlington auf der Papierkarte war.

„Gefunden?“, fragte Peter.

„Ich denke schon.“ Bob griff nach seinem Schlüssel und Portemonnaie. Peter tat es ihm gleich.

Trevor sah sie besorgt an. „Das liegt mir ja alles etwas schwer im Magen.“

Bob hielt kurz inne und legte ihm eine Hand auf die Schulter. „Es ist auch beschissen, das wissen wir. Aber jetzt konzentrieren wir uns erstmal darauf, Just wiederzufinden. Nicht zu viel über die Eventualitäten nachdenken, sonst wird man verrückt. Wir sind bis jetzt immer heil aus allem wieder rausgekommen.“

„Von dem was mir Just erzählt hat, bin ich überrascht, dass ihr nicht alle furchtbar traumatisiert seid.“

Peter lachte etwas gepresst, während er sich seine Schuhe anzog. „Ja, ich auch.“

Bob zuckte mit den Schultern. Dann lief er ins Wohnzimmer und schnappte sich die beiden Westen. Eine warf er Peter zu, die andere zog er sich über den Kopf. Dann zog er einen Hoodie darüber. Peter tat es ihm gleich.

„Ein ganz normaler Sonntagmorgen…“ Trevor schaute wieder die Verschwörungswand an.

„Für uns gar nicht so ungewöhnlich“, sagte Peter. „Irgendwann gewöhnt man sich dran. Zumindest so teilweise. Und wenn du auf Justus stehst, dann ist das auf jeden Fall der Package Deal. Willkommen in unserer Welt.“

Trevor zog die Augenbrauen hoch. „Wer hat denn behauptet, ich würde auf Justus stehen?“

Peter legte den Kopf schief und sah Trevor mit geschürzten Lippen an.

Trevor verdrehte die Augen. „Müsst ihr nicht irgendwie jemanden retten oder so? Kommt, macht, dass ihr wegkommt.“

„Ja, deinen zukünftigen Freund retten wir.“ Peter grinste. „Deinen Angebeteten. Dein Dark Academia Herzbl–“

Trevor machte einen Satz nach vorne und hielt Peter mit seiner Hand den Mund zu. Er war knallrot im Gesicht. „Vielen Dank, ich denke, ich habe verstanden, was du mir sagen willst.“

„Hmmmhm“, machte Peter.

Bob lachte. „Komm, Pete, wir sollten mal los.“

 

 

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Während der Fahrt merkte Bob, dass ihn der Ablauf der ganzen Sache wurmte. Er hatte seit gestern schon ein ungutes Gefühl beim Gedanken, die Füße still zu halten. Peter bestätigte ihm das Gleiche. „Ich wollte so gern glauben, dass wir diesen Fall einfach abgeben können. Aber das ist eh nicht möglich. Das klappt nie“, hatte er gesagt, als er den MG vom Uniparkplatz lenkte. „Ich hatte die ganze Zeit ein schlechtes Gefühl dabei.“ Warum waren sie alle drei der Meinung gewesen, man hätte doch weiterermitteln müssen, aber Justus war komplett allein verschwunden? Er hätte doch wenigstens fragen können, ob sie mitwollten. Vielleicht hatte Justus gedacht, sie beide würden eh zu Hause bleiben wollen. Das würde auf jeden Fall eins der ersten Dinge sein, die Bob Justus fragen würde, sobald sie ihn fanden.

Der Punkt in Bobs Karte war leicht zu finden. Er lag recht nah an einer Landstraße. Allerdings war dort, wo vor einigen Jahren noch ein Feld gewesen sein musste, mittlerweile eine eher schlammige Ebene mit ein paar jungen Bäumen und viel hohem Gestrüpp. Sie parkten das Auto etwas abseits von der Straße unter einem Baum, unter dem der Boden etwas fester aussah, und stiegen aus, um den letzten Teil der Strecke zu gehen. Auf dem Boden waren mehrere Reifenspuren und Bob fragte sich, ob eine davon zu Justus Auto passen würde.

Als sie ihren Weg ins Gestrüpp starteten, war der Boden noch einigermaßen fest, aber das blieb leider nicht lange so. Bob sank ständig mit den Füßen ein bisschen ein. Zum Glück hatte er Schuhe an, die ihm nicht so wichtig waren. Bei Peter sah das anders aus. Er ging noch ein paar Meter weiter, aber schließlich bleib er stehen und schien einen Entschluss gefasst zu haben.

„Bob, so wird das nichts. Ich werde die Schuhe hier irgendwann im Schlamm verlieren.“

„Hm“, machte Bob.

„Ich habe im MG noch Wanderschuhe, ich gehe kurz zurück, ja?“

„In Ordnung. Ich gehe nach da vorne, um die Hecke da, okay?“

„Okay.“

Peter lief zurück und Bob machte sich allein weiter auf den Weg durch das Gestrüpp. Es war eine trostlose Gegend und er fragte sich, wann die Leute wohl beschlossen hatten, die Landwirtschaft hier aufzugeben und so ein unansehnliches Stück Land aus diesem Gelände werden zu lassen.

Er ging an der Hecke vorbei und schaute in die Richtung, in der der Punkt auf der Karte sein musste. Und tatsächlich: Zwischen den Zweigen und Blättern sah er etwas Gelbes hervorschimmern. Ob das wohl Stiefmütterchen waren?

Er beschleunigte seinen Gang und hielt auf den gelb gefärbten Boden zu. Er war ein bisschen weiter entfernt, als er den Punkt auf seiner Karte eingeschätzt hatte, aber wenn das tatsächlich Stiefmütterchen waren, dann war klar, dass Justus genau in die Richtung gelaufen sein musste. Je näher Bob dem farbigen Fleck kam, desto mehr wurde ihm bewusst, dass es sich tatsächlich um Blumen handeln musste. Bei dem Gedanken schauerte es ihm. Waren hier tatsächlich Menschen begraben? Und hatte Justus etwa schon ein Loch gegraben? Bob wusste wirklich nicht, ob er das sehen wollen würde.

Er überquerte einen kleinen Waldweg und begab sich in ein bisschen höheres, struppiges Gras zwischen einigen Bäumen. Seine Schritte machten leise Raschelgeräusche. Die Blumen waren jetzt nicht mehr allzu weit weg.

„Ihr macht es einem ja echt einfach, wenn ihr ständig allein durch die Gegend rennt.“

Bob zuckte zusammen.

„Wo sind denn deine Freunde, hm?“

Bens Stimme war kalt. An einen Baum gelehnt stand er da und richtete eine Waffe auf Bob. Er sah so aus, als würde er so etwas ständig machen. Völlig lässig, mit einem halben Grinsen im Gesicht, das nicht bei seinen Augen ankam. Bob war so auf die gelben Blumen fokussiert gewesen, dass er ihn bis jetzt gar nicht gesehen hatte. Er schaute den großen jungen Mann an und versuchte, sich seine Angst vor der Waffe nicht allzu sehr anmerken zu lassen.

Mit seiner freien Hand zog sein Beobachter nun eine Visitenkarte aus seiner Tasche. „Ich habe bei deinem Kumpel diese lustige Karte hier gefunden.“ Er schnaubte belustigt. „Recherchen und Archiv: Bob Andrews. Da habe ich ja einen richtigen Glücksfang gemacht bei der Party neulich.“

„Frag mal mich. Ich bin auch wahnsinnig begeistert, dass ich bei meinem ersten One-Night-Stand in der Uni gleich erstmal an ein Mitglied einer gemeingefährlichen Sekte geraten bin.“

Ben verzog das Gesicht. „Gemeingefährliche Sekte? So würde ich es ja nicht bezeichnen.“

„Wie würdest du es denn bezeichnen?“

Ben zuckte mit den Schultern. „Ist ja auch egal. Abmarsch jetzt, da vorne steht mein Auto.“

Mit seiner Waffe machte er eine kleine Bewegung nach Westen. Bob leistete Folge. Durch die Äste hindurch sah er den Truck, in den Ben sich gestern Abend überstürzt gesetzt hatte. Innerlich betete er nur, dass Ben Peter nicht auch bemerken würde.

Er hatte Glück. Peter schien etwas länger gebraucht zu haben, sich seine Schuhe zu wechseln. Dann konnte er jetzt gleich vielleicht noch den Truck wegfahren sehen und ihn Cotta mit einer Beschreibung von Ben melden. Eine Fahndung war gerade vielleicht die beste Chance. Justus schien ja wohl auch schon Bens Gefangener zu sein. Da musste Peter nun wirklich nicht auch noch festsitzen.

Am Auto angekommen warf Ben Bob ein Paar Handschellen zu und gebot ihm, sie anzulegen. Dann musste Bob sich auf die Ladefläche des Trucks setzen, wo Ben ihn mit Gurten festschnallte. Dann ging es los. Der Truck holperte über die Waldwege. Keine Straße in Sicht. Ben musste hier zu Hause sein. Er kannte diese Strecke vermutlich wie seine eigene Westentasche. Er würde sicherlich kein Problem haben, größere Straßen zu vermeiden.

Sie fuhren vielleicht zehn Minuten, bis sie an einem Haus mit hölzernem Beschlag hielten. Mit geübtem Geschick band Ben Bob von der Ladefläche los und führte ihn an eine Kellertreppe auf der anderen Seite des Hauses. Er stupste ihn an, bis er von allein die Treppen herunterlief. Dann folgte er dicht hinter ihm, öffnete die Tür und löste seine Handschellen. Geschickt zückte er wieder seine Waffe und bedeutete ihm, über die Türschwelle zu gehen. Bob trat ein paar Schritte zurück, hinein in den spärlich beleuchteten Raum, und sah seinem Entführer ins Gesicht, der ihn herausfordernd und kühl angrinste.

„Eine Frage habe ich noch: Weiß dein Freund, dass du ihn mit mir betrogen hast?“

Bob verengte seine Augen. „Habe ich nicht und du kannst mich mal.“

Bens Gesichtszüge weichten ein bisschen auf. „Ganz frische Beziehung also? Oder seid ihr offen?“

Verwundert blickte Bob ihn an. „Warum interessiert dich das?“

„Ich will nur wissen, ob ich es mit einem Betrüger zu tun habe oder nicht.“

Bob zog die Augenbrauen zusammen. Irgendwie machte das alles keinen Sinn.

„Na, was jetzt?“

Bob verschränkte die Arme. „Wir sind seit gestern zusammen.“

Ben nickte. „Süß.“ Er zog einen Mundwinkel hoch. Dann schlug er die Tür zu.

„Was um alles in der Welt…?“, murmelte Bob.

„Bob!“, kam es von hinter ihm.

Er drehte sich um. An der Wand saßen Justus und Mr Wedlington vor einer Schale mit belegten Broten. Neben ihnen, unverkennbar: Annalise Blumenthal.

Notes:

Und? Was denken wir?